Der Fernsehsender RTL berichtete in seinem Regionalprogramm über den Mädchenchor Hannover und die Weihnachtskonzerte des Jahres 2009.
Den Bericht finden sie
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Hannoversche Allgemeine Zeitung
7. Juni 2008
Tiefe WeiblichkeitDer MädchenChor Hannover singt im Kloster Wennigsen Kompositionen italienischer Nonnen aus dem 17. JahrhundertVon Stefan Arndt
Natürlich hört man nicht, ob ein Musikstück von einem Mann oder einer Frau komponiert wurde. Das musikalische Vokabular mit seinen strengen Formen und Figuren wirkt aus der Distanz von drei, vier Jahrhunderten zu zeittypisch, als dass man so feine Unterschiede wahrnehmen würde. Aber ist dieses Gloria nicht doch irgendwie typisch weiblich? Am Ende des blutrünstigen „Dixit Dominus“ mit den Schilderungen des Jüngsten Gerichts klingt die lobpreisende Gloria-Schlussformel bei der Barockkomponistin Chiara Margarita Cozzolani überraschend sanft. Statt in waffenklirrendem Jubel endet das kämpferische Stück weich und entrückt. Die ungewöhnliche Psalmvertonung ist eine von vielen Entdeckungen, die man im neuen Programm des Mädchenchores Hannover machen kann. Zum Auftakt eines Symposiums der Musikhochschule zum „Kloster als Ort des kulturellen Handelns von Frauen“ stellte der Chor Kompositionen von italienischen Nonnen aus dem 17. Jahrhundert vor. Mailand war damals ein musikalisches Zentrum, und die musizierenden Klosterfrauen von St. Radegonda waren weithin berühmt. Chiara Margarita Cozzolani war zeitweise Äbtissin des Klosters und als Komponistin so bekannt, dass ihre Werke sogar gedruckt wurden. Um den Noten kommerziellen Erfolg zu ermöglichen, wurden Cozzolanis Motetten und Psalmvertonungen in Versionen für gemischten Chor veröffentlicht. Innerhalb der Klostermauern, bei den für ihren musikalischen Gehalt weit über Mailand hinaus berühmten Gottesdiensten wurde ihr Werk aber von reinen Frauenchören gesungen – auch die tiefen Stimmen.
Während man sich seit einigen Jahren an Männerstimmen in Alt- und Sopranlage gewöhnt hat, sind Frauenstimmen in Bereichen, die sonst Tenören und Baritonen vorbehalten sind, völlig ungewöhnlich. Mit dem Mädchenchor hat sich seine Leiterin Gudrun Schröfel nun in diese Tiefen vorgewagt und festgestellt, dass das Ungewöhnliche nicht unmöglich ist. Frei, ausgewogen und leicht klingt der Chor auch dann, wenn er sich bis zu einer Quarte unterhalb seines sonstigen Tonumfangs bewegt. Und der Gewinn ist beträchtlich: Die neuen Töne ermöglichen auch eine ganz neue Farbigkeit.
So ist der sorgfältig austarierte Klang des Chores die größte Attraktion des Abends und überzeugt auch in den herkömmlichen Lagen: Nahezu ideal tönen die Liedsätze von Heinrich Isaac, Michael Prätorius und Thomas Selle, die zuvor von Marion Maucher gelesene Texte der Elisabeth von Calenberg illustrierten. Die Fürstin lieferte mit „Braunschweig, ich lass dich farenn“ von 1554 auch die Grundlage für eine Uraufführung: Die Berliner Komponistin Juliane Klein schrieb ihr von wunderbar gläsernen Klanggeschichten bestimmtes A-cappella-Werk „Nicht uns, sondern“ extra für den Mädchenchor, der sich mit einer vollendeten Aufführung erkenntlich zeigte. (...)